Interview mit Thorsten Padberg

Thorsten Padberg hat vor einiger Zeit ein längeres Gespräch mit Jürgen Hargens geführt, das ursprünglich für einen anderen Veröffentlichungskontext gedacht war und nun im systemagazin erscheint.

 

Thorsten Padberg, Berlin:

 

„Wenn die Leute kommen, ist Beziehung da…". Ein Gespräch mit Jürgen Hargens

Für eine Zeitschrift soll ich einen Text zur Langzeittherapie schreiben: „Schwere Störungen brauchen lange The-rapien." Jürgen Hargens und ich kennen uns per Email, weil wir beide über Therapien schreiben und uns gele-gentlich austauschen. Als ich ihn frage, ob er mir etwas zu langen Therapien aus Sicht eines Kurzzeittherapeuten erzählen will, sagt er sofort ja. Treffpunkt wird das Schwarze Café in Berlin. Um uns herum wird Essen serviert, es ist laut und wuselig. Jürgens Hargens stört das nicht, er kennt sein Thema und spricht gerne darüber. Er hat viel mehr dazu zu sagen, als am Ende in einen kurzen Text zur Langzeittherapie hineinpassen wird. Unser Ge-spräch über schwere Diagnosen, schnelle Lösungen und schlaue Klienten in voller Länge:

 

Sie sind ja einer der prominentesten Vertreter der lösungsorientierten Therapie in Deutsch-land…

Das sagen Sie so. Ja, ja. Gut.

… und haben viel dazu veröffentlicht. Was glauben Sie: Wie kommt die lösungsorientierte Therapie so schnell zu ihren Erfolgen, was ist der Wirkfaktor?

Ich glaube, das sind zwei/drei Aspekte. Jeder Aspekt hat viele Unteraspekte: Die Leute, die zur sogenannten „Therapie" kommen, ernst zu nehmen, ihr Leiden zu würdigen und letztlich immer ein Ohr dafür zu haben, wo diese Leute Kompetenzen haben und gezeigt haben. Das ist etwas, das für die Leute völlig neu ist. Jemand, der leidet, fühlt sich einfach nur schlecht. Und jetzt kommen Leute und ich sage – ich nehm‘ mal ein ganz plattes Beispiel – „du hast mit diesem Leiden zwanzig Jahre überlebt. Das ist ja auch eine Fähigkeit. Die macht das Le-ben nicht leichter."

 

Und das ist ein ganz wichtiger Unterschied, glaube ich. Die lösungsorientierten Leute nehmen ihr Gegenüber sehr ernst, respektieren die Person, würdigen sie und reden ihr Leben nicht schön. Und deshalb: Das Lösungsorientierte ist etwas anderes als ‚positiv denken‘. Und es ist auch keine Technik. Es ist eine gnadenlos anstrengende Haltung, nämlich darauf zu vertrauen: „Ich glaube, dass Du es schaffst". Oder wie Insoo Kim Berg immer so schön gesagt hat: „Ich weiß nicht wann, ich weiß nicht, wie du dich änderst – ich weiß nur, dass du dich änderst!"

Sie nennen das eine Haltung. In der klassischen Psychotherapieforschung wird ja inzwischen davon ausgegangen, dass die therapeutische Beziehung das hauptsächlich Heilsame am therapeutischen Prozess ist. Da würden Sie zustimmen?

Ja. Es gibt allerdings interessante Untersuchungen dazu, die das in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen, nämlich Untersuchungen, die sagen: Die therapeutische Beziehung – oder wie immer man es nennen will – hat einen hohen Anteil am Therapieerfolg. Allerdings so, wie die Betroffenen die Beziehung sehen – nicht, wie die Fachleute die Beziehung sehen. Und das macht einen Unterschied. Wenn ein Betroffener mit seinem Therapeuten nicht zufrieden ist, sagt der Therapeut: „Widerstand". Der lösungsorientierte Therapeut sagt dagegen: „Hm, ich bin wahrscheinlich nicht auf dem richtigen ‚Dampfer‘, weil die Person etwas anderes will als das, was ich gerne wollte, dass er tun sollte", und fragt dann erneut, was er erreichen möchte. Und das macht einen gravierenden Unterschied.

 

 

Hier folgt ein kleiner Einblick in eine der einzigartigen Lesungen von und mit Jürgen Hargens! Seien Sie doch auch dabei, wenn er das nächste Mal wieder eine solche Lesung veranstaltet und erfragen Sie unter Kontakt die Daten!

 

 

 

Jürgen Hargens & Helen Zettler (2000)

 

Relativ normal.

 

Was mich noch nie an systemischer Therapie interessiert hat,

ich aber immer schon mal wissen wollte.

 




Jürgen Hargens & Helen Zettler (2000)

 

Relativ normal.

 

Was mich noch nie an systemischer Therapie interessiert hat,

ich aber immer schon mal wissen wollte.




Jürgen Hargens & Helen Zettler (2000)


Relativ normal.


Was mich noch nie an systemischer Therapie interessiert hat,

ich aber immer schon mal wissen wollte.


Download
Wo ist er hin der Widerstand?
Vortrag von Jürgen Hargens am 24.10.2014.
Heinz von Foerster
„Was immer übersehen zu werden droht, ist, dass diese
Unterscheidungen sich nicht in der Welt befinden oder
Eigenschaften der Dinge bzw. der Objekte darstellen, sondern
Eigenschaften der Beschreibung der Welt. Die Objekte bleiben
uns stets ein Rätsel, aber ihre Beschreibung enthüllt die
Eigenschaften des Beobachters und des Sprechenden, den man
auf diese Weise näher kennen lernt.“ (S. 37).
Dies sind die Folien zum Vortrag "Koopieren".
Vortrag_24.10.2014_Jürgen_Hargens.pdf
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Das Video wird abgespielt, wenn man auf den blauen Kasten (watch the video) klickt.